Wilhelmsbader Park bei Hanau
Giovanni Grippo führt kulturhistorische und freimaurerische Führungen zur Geschichte der Freimaurerei und ihrer Symbolwelt nicht nur in Schwetzingen, sondern auch im Wilhelmsbader Park bei Hanau durch. Im Mittelpunkt seiner Führungen stehen die Entwicklungen des 18. Jahrhunderts, insbesondere die Entstehung und Ausbreitung der freimaurerischen Systeme sowie deren Einfluss auf Architektur, Gartenkunst und europäische Geistesgeschichte. Ein besonderer Bezugspunkt ist die Zeit der Strikten Observanz ab 1752, die innerhalb der kontinentalen Freimaurerei prägend wirkte und ihre Vorstellungen von Ordnung, Ritual und Traditionslinien in zahlreichen kulturellen Räumen hinterließ. Die Geschichte dieses Ortes ist besonders stark mit dem freimaurerischen Systems der Strikten Observanz verbunden: Link
Die Führungen greifen diese historischen Zusammenhänge auf und vermitteln Hintergründe zu Symbolik, Aufklärung und den kulturgeschichtlichen Entwicklungen jener Epoche. Führungen im Wilhelmsbad Park besitzt durch seine historische Verbindung zur europäischen Freimaurerei eine besondere Bedeutung. Dabei steht die wissenschaftlich-historische Einordnung im Vordergrund.
Eine (freimaurerische) Wilhelmsbader Legende
In örtlichen Freimaurerkreisen wird eine weitere Legende tradiert, die unmittelbar etwas mit Wilhelms-bad und der Strikten Observanz zu tun hat. Am Ende des Wilhelmsbader Konvents - das war um den 29. August 1782 herum - wurde in einer feierlichen Zeremonie, der Tempelritterorden symbolisch zu Grabe getragen. Dies geschah des Nachts, wahrscheinlich weil auch die Tempelritter ihre Kapitel nachts abhielten, in der Form, dass Akten und Dokumente in den Boden eingelassen wurden.
Als der älteste Sohn des Landgrafen Wilhelm IX. – dem Erbauer des Wilhelmsbader Parks – zwei Jahre später (1784) im Alter von knapp 12 Jahren verstarb, ließ Wilhelm IX. in seinem Andenken die Pyramide im Park errichten. Um sie entstand eine Insel indem man die Landzunge vom Rest des Parks trennte. In der Mitte der Pyramide wurde auf einem Säulenschaft eine Urne aus Marmor angebracht. Man fand aber wohl dort jene Papiere wieder, die 1782 begraben wurde. Sie sollen daraufhin in die Urne getan worden sein und man ließ das Gerücht verbreiten, dass sich das Herz des verstorbenen Prinzen in der Urne befände. Das ist aber nachweislich falsch, denn das Herz ist in einer Schatulle im tatsächlichen Grab des Prinzen in der Marienkirche in Hanau beigesetzt worden. Damit sollten wahrscheinlich Diebe abgeschreckt werden, sich dem Denkmal zu nähern, auch unter der Prämisse sich sonst einer Grab- oder Leichenschändung schuldig zu machen. Dies funktionierte auch bis in die 1980er Jahre bis die Urne gestohlen wurde.
