Der Schlossgarten in Schwetzingen

- Ein Garten voller Verführungen

Die Struktur des Schlossgartens

Der Garten war den Bürgern offen und sie konnten ihn über das Dreibrückentor betreten. Vom Dreibrückentor aus kann man alle Bereiche des Gartens (Englischer Garten, Französischer Garten und Kreisparterre/Schloss) erreichen. Der Name »Dreibrückentor« kann bereits als ein Hinweis auf die drei Hauptbereiche des Schlossgartens verstanden werden. Dies könnte den Eindruck vermitteln, dass der eigentliche Eingang nicht durch das Schloss führte und dass Kurfürst Carl Theodor - der Initiator des Schlossgartens - seine Untertanen mit dem Schlossgarten sehr wertschätzte.

Die Parkanlage ist in drei Hauptabschnitte unterteilt: 

  1. Der »Englische Garten« im Westen ist der Natur nachgeahmt und das Element Wasser überwiegt (Schwarzes Meerle, Großer Weiher, Moscheeweiher usw.). Der Englische Garten kann für die Herrschaft der Natur über den Menschen stehen. Zugleich kann der »Tempel der Botanik« als Geburtsstätte aller Kulturen verstanden werden.
  2. Der »Französische Garten« ist von einer geraden Linienführung sowie von rechten Winkeln durchzogen. Er kann für die Herrschaft der Kunst über die Natur stehen. Das Element Feuer spielt im mittleren Bereich des Gartens eine große Rolle; allein durch die fehlende Dominanz des Wassers im Vergleich zum »Englischen Garten« und der Sonnen- und Löwen-Symbolik - beide stehen mit dem Feuer in Verbindung. Der »Französische Garten« kann als Hochzeit der griechischen-römischen Kultur angesehen werden.
  3. Der »Französische Garten« im Osten wird vom Kreisparterre mit dem Arionbrunnen in der Mitte beherrscht. Westlich des Arion-Brunnens befindet sich der Hirschbrunnen und östlich befindet sich das Schloss. Der ganze Bereich ist flach angelegt, so dass der Wind freies Spiel hat. Das Kreisparterre ist durch nördliche und südliche Zirkelgebäude im Osten und durch die beiden Laubengänge (berceaux en treillage) im Westen umrandet. Dabei ist es wichtig, dass es sich im Westen um Laubengänge, d.h. um durchschreitbare Abgrenzungen handelt, und nicht um Gebäude oder steinerne Mauern, wie im östlichen Bereich des Kreisparterres. Insbesondere soll damit die Verbindung zu den Bereichen im Norden wo Galatea-Brunnen und Pan-Statue sowie im Süden wo Minerva-Tempel und lykischer Apollon stehen deutlich gemacht werden. Das Kreisparterre könnte als Vereinigungspunkt der Kulturen angesehen werden.

Wie im Garten an vielen Stellen zu sehen ist, werden neben den verschiedenen Systemen und Richtungen der Freimaurerei auch verschiedene geheime Künste, die im 18. Jahrhundert sehr beliebt waren, sowie Kulturen vereinigt. Der Arion-Brunnen kann z.B. für die vier Elemente der Alchemie stehen und die Statue des Arion in der Mitte kann für die Liebe - d.h. für das fünfte Elemente - stehen. Sind im »Französischen Garten« beim Apollon-Tempel, beim Galatea-Brunnen und beim Minerva-Tempel als Ausnahme die Wege nicht mehr nur geradlinig oder rechtwinklig, so gibt es im Bereich des Kreisparterres eine Mischung von Kreisen (als Ergebnis des Zirkels) und rechten Winkeln (als Ergebnis des Winkelmaßes). Zirkel und Winkelmaß sind die höchsten Symbole der Freimaurer.

 

Ruine eines römischen Wasserkastells von Nicolas Pigage 1778/1779, Foto von Giovanni Grippo
Freimaurer, Freimaurerei und freimaurerische Führungen in Schwetzingen. Der Schlossgarten in Schwetzingen ist in seiner Gesamtkonzeption einzigartig, denn er verbindet die im 18. Jahrhundert bekannten freimaurerischen Systeme in einer gleichberechtigten Weise. Wir bieten Führungen durch den Schlossgarten in Schwetzingen und Vorträge bundesweit an. Dabei handelt es sich nicht nur um klassische sondern auch um Freimaurer-Führungen und Vorträge, die größeren Wert auf die geheimen Künste legen, mit denen sich die Menschen des 18. Jahrhunderts intensiv beschäftigten. Die geheimen Künste - damit sind besonders die Alchemie, Kabbala, Numerologie, Astrologie und Hermetik gemeint - waren die Naturwissenschaften ihrer Zeit.