Der Schlossgarten in Schwetzingen

- Ein Garten voller Verführungen

Freimaurerei

Am kurpfälzischen Hof gab es nachweislich Freimaurer und spätestens ab den 1730er Jahren gab es in Mannheim Freimaurerlogen. Vermutlich hat Kurfürst Carl Theodor seine Zugehörigkeit nicht öffentlich bekannt machen wollen, weil die Freimaurerei ab und an in die Kritik geriet und auch zumal offiziell verboten wurde. Von wenigstens drei einflussreichen Personen am kurpfälzischen Hof ist bekannt, dass sie Mitglied in Freimaurerlogen waren: François Fegely (1691-1758, gen. Pater Seedorf) – der Erzieher und Beichtvater des Kurfürsten, Pfalzgraf Friedrich Michael von Zweibrücken (1724-1767) – der zeitweise in Schwetzingen residierende Schwager des Kurfürsten, und Sir Benjamin Thompson (1753-1814) – seit 1784 enger Berater des Kurfürsten in München. 

Zur Zeit der Gestaltung des Schwetzinger Schlossgartens zwischen ca. 1752 bis 1796 gab es folgende Großlogen auf der Welt, die ein eigenes freimaurerisches System entwickelt hatten. Kurfürst Carl Theodor könnte alle Systeme der einzelnen Großlogen gekannt haben und bestimmte freimaurerische Inhalte im Schlossgarten vereinigt haben, wie wir in unseren Führungen aufzeigen. Wahrscheinlich ist, dass Kurfürst Carl Theodor sich für die deutschen und größeren freimaurerischen Systeme interessiert haben wird:

  • 1717 Großloge von England, London
  • 1725 Großloge von Irland, Dublin
  • 1725 Grand Lodge of All England, York
  • 1736 Großloge von Schottland, Edinburgh
  • 1736 Großorient von Frankreich, Paris
  • 1740 Große National-Mutterloge Zu den Drei Weltkugeln, Berlin
  • 1743 Große Landesloge von Dänemark | Dänischer Freimaurerorden, Kopenhagen
  • 1751 Hoher Orden vom Heiligen Tempel zu Jerusalem | Strikte Observanz, Unwürde*
  • 1756 Großorient der Niederlande, Haag
  • 1760 Große Landesloge von Schweden | Schwedischer Freimaurerorden, Stockholm
  • 1770 Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland | Deutscher Freimaurerorden, Berlin**
  • 1784 Große Landesloge von Österreich | Osterreichischer Freimaurerorden, Wien
  • 1798 Große Loge von Preußen Royal York zur Freundschaft, Berlin

Die »Strikte Observanz«* und die »Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland«** werden im ausgehenden 18. Jahrhundert die meisten Mitglieder im deutschen Sprachraum gehabt haben, was zu dem Schluss führen kann, dass sich Kurfürst Carl Theodor besonders mit diesen beiden Richtungen der Freimaurerei befasst haben wird; bis die »Strikte Observanz« ab 1782 unterging. Die »Große Landesloge« in Deutschland hat wie alle Freimaurerorden des »Schwedischen Systemund eben auch die »Strikte Observanz« ein templerisches Erbe. Wobei die »Große Landesloge« dieses Erbe sowie die Mystik, Hermetik und Alchemie als geistiges Vermächtnis betrachtet.

Das »Schwedische System« ist bis heute in Skandinavien vorherrschend. Der »Dänische Freimaurerorden« wurde 1743 in Kopenhagen (übernahm aber erst später das »Schwedische System«) und die »Große Landesloge von Schweden« wurde 1760 in Stockholm gegründet. Österreich war der »Großen Landesloge (der Freimaurer) von Deutschland«, die sich 1770 in Berlin gegründet hatte, als Provinz angeschlossen bis sich in Wien 1784 die »Große Landesloge von Österreich« gründete.

Die Verbindung von Kurfürst Carl Theodor z.B. nach Österreich ist nicht nur durch Wolfgang Amadeus Mozart und seinen Vater bezeugt. Der siebenjährige Mozart besuchte zwischen dem 15. und 29. Juli 1763 mit seiner Schwester und seinem Vater im Rahmen einer Konzertreise den kurpfälzischen Hof. Auch Christoph Willibald Gluck, einer der bedeutendsten Opernkomponisten der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, ist ein wichtiger Vermittler der 1774 als Komponist nach Schwetzingen übersiedelte. Er könnte es gewesen sein, der den Kurfürsten auf Pietro Metastios Werke aufmerksam gemacht hat. Er inszenierte lange vor seiner Übersiedlung nach Schwetzingen die Oper »La contesa de' numi« am 9. April 1749 für den Königshof in Kopenhagen, was als eine mögliche Verbindung nach Skandinavien verstanden werden kann.

Kurfürst Carl Theodor wird wahrscheinlich einen direkten Kontakt zum schwedischen Hof des Freimaurers und späteren Königs von Schweden - Karl XIII. - und seinem Vorgänger und Bruder Gustav III. (auch Freimaurer) gehabt haben. Zudem treffen an besonderen Stellen verschiedene Richtungen der Freimaurerei zusammen und ermöglichen dadurch mehrere Deutungsebenen. In unseren Führungen gehen wir auf diese Zusammenhänge sowie auf die verschiedenen Richtungen der Freimaurerei ein und wie sie sich im Schlossgarten ergänzen.


Tempel der Minerva 1766/1773 von Nicolas de Pigage, Foto von Giovanni Grippo
Freimaurer, Freimaurerei und freimaurerische Führungen in Schwetzingen. Der Schlossgarten in Schwetzingen ist in seiner Gesamtkonzeption einzigartig, denn er verbindet die im 18. Jahrhundert bekannten freimaurerischen Systeme in einer gleichberechtigten Weise. Wir bieten Führungen durch den Schlossgarten in Schwetzingen und Vorträge bundesweit an. Dabei handelt es sich nicht nur um klassische sondern auch um Freimaurer-Führungen und Vorträge, die größeren Wert auf die geheimen Künste legen, mit denen sich die Menschen des 18. Jahrhunderts intensiv beschäftigten. Die geheimen Künste - damit sind besonders die Alchemie, Kabbala, Numerologie, Astrologie und Hermetik gemeint - waren die Naturwissenschaften ihrer Zeit.