Der Schlossgarten in Schwetzingen
Ein Garten voller Verführungen

Freimaurerei und ihre Einflüsse


Am kurpfälzischen Hof lassen sich nachweislich Verbindungen zur Freimaurerei erkennen. Bereits ab etwa 1725 bestand in Mannheim eine Freimaurerloge. Sie ist die allererste Freimaurerloge, die Graf Albrecht Wolfgang zu Schaumburg-Lippe in den deutschen Landen gründetet. Er war in den Jahren 1724 und 1726–28 als Gesandter des englischen Hofes in Mannheim.

Es gilt als auch wahrscheinlich, dass Kurfürst Carl Theodor seine mögliche Zugehörigkeit zur Freimaurerei nicht öffentlich machte, denn die Kurpfalz war katholisch und damit gab es durch die Bannbulle von 1738 ein Mitgliedschaftsverbot für Katholiken. Die Freimaurerei war im 18. Jahrhundert immer wieder Kritik ausgesetzt war und zeitweise sogar verboten wurde. Von mehreren einflussreichen Persönlichkeiten aus dem Umfeld des Kurfürsten ist jedoch bekannt, dass sie Mitglieder freimaurerischer Logen waren. Dazu zählen unter anderem: François Fegely (1691–1758), genannt Pater Seedorf, Erzieher und Beichtvater Carl Theodors; Pfalzgraf Friedrich Michael von Zweibrücken (1724–1767), Schwager des Kurfürsten und zeitweise Resident in Schwetzingen und Sir Benjamin Thompson (1753–1814), ab 1784 enger Berater Carl Theodors in München.

Anbei die Freimaurersysteme des 18. Jahrhunderts (weltweit):

  • 1717 Großloge von England, London
  • 1725 Großloge von Irland, Dublin
  • 1725 Grand Lodge of All England, York
  • 1736 Großloge von Schottland, Edinburgh
  • 1736 Großorient von Frankreich, Paris
  • 1740 Große National-Mutterloge Zu den Drei Weltkugeln, Berlin
  • 1743 Große Landesloge von Dänemark | Dänischer Freimaurerorden, Kopenhagen
  • 1751 Hoher Orden vom Heiligen Tempel zu Jerusalem | Strikte Observanz, Unwürde*
  • 1756 Großorient der Niederlande, Haag
  • 1760 Große Landesloge von Schweden | Schwedischer Freimaurerorden, Stockholm
  • 1770 Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland | Deutscher Freimaurerorden, Berlin**
  • 1784 Große Landesloge von Österreich | Osterreichischer Freimaurerorden, Wien
  • 1798 Große Loge von Preußen Royal York zur Freundschaft, Berlin


Freimaurerische Systeme im 18. Jahrhundert

Im ausgehenden 18. Jahrhundert gehörten die „Strikte Observanz“ sowie die „Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland“ zu den bedeutendsten freimaurerischen Richtungen im deutschsprachigen Raum. Beide Systeme prägten das geistige Leben ihrer Zeit und verbanden freimaurerische Inhalte mit einem ausgeprägten spirituellen und symbolischen Weltbild.
Die „Strikte Observanz“, die bis etwa 1782 großen Einfluss besaß, verstand sich als traditionsbewusster Orden mit starkem Bezug zum Templer-Erbe. Auch die „Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland“, die 1770 in Berlin gegründet wurde und dem sogenannten „Schwedischen System“ nahestand, bewahrte diese Tradition. Darüber hinaus betrachtete sie Mystik, Hermetik und Alchemie als geistiges Vermächtnis der Freimaurerei.

Das Schwedische System und europäische Verbindungen

Das „Schwedische System“ prägt die Freimaurerei in Skandinavien bis heute. Der Dänische Freimaurerorden wurde 1743 in Kopenhagen gegründet, während die Große Landesloge von Schweden 1760 in Stockholm entstand. Auch Österreich stand zeitweise in enger Verbindung zur Großen Landesloge in Deutschland, bevor sich 1784 in Wien eine eigenständige Großloge gründete.
Vor diesem Hintergrund erscheint es möglich, dass Kurfürst Carl Theodor mit verschiedenen europäischen Strömungen der Freimaurerei vertraut war. Seine kulturellen und politischen Verbindungen reichten weit über die Kurpfalz hinaus und verbanden ihn mit bedeutenden Persönlichkeiten und Höfen Europas.

Musik, Kultur und geistige Netzwerke

Die Beziehungen Carl Theodors nach Österreich und in andere europäische Zentren zeigen sich auch im kulturellen Leben seiner Zeit. Wolfgang Amadeus Mozart besuchte bereits 1763 gemeinsam mit seiner Familie den kurpfälzischen Hof. Ebenso spielte Christoph Willibald Gluck, einer der bedeutendsten Opernkomponisten des 18. Jahrhunderts, eine wichtige Rolle im kulturellen Umfeld Schwetzingens.
Gluck übersiedelte 1774 nach Schwetzingen und könnte den Kurfürsten mit den Werken Pietro Metastasios vertraut gemacht haben. Bereits 1749 hatte Gluck in Kopenhagen die Oper „La contesa de’ numi“ aufgeführt – ein möglicher Hinweis auf kulturelle und geistige Verbindungen nach Skandinavien.
Auch Kontakte zum schwedischen Hof erscheinen denkbar, insbesondere zu Gustav III. und seinem Nachfolger Karl XIII., die beide der Freimaurerei angehörten.

Mehrere Bedeutungsebenen im Schlossgarten

Im Schlossgarten von Schwetzingen treffen an vielen Stellen unterschiedliche geistige Traditionen und freimaurerische Richtungen aufeinander. Gerade diese Verbindung verschiedener Symbolwelten ermöglicht mehrere Deutungsebenen und macht den Garten bis heute einzigartig.
In unseren Führungen zeigen wir auf, wie sich freimaurerische Systeme, hermetische Vorstellungen und alchemistische Symbolik gegenseitig ergänzen und im Schlossgarten zu einem vielschichtigen Gesamtkonzept verbinden.


Tempel der Minerva 1766/1773 von Nicolas de Pigage, Foto von Giovanni Grippo